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Ratgeber · Verkäufer · Problemimmobilie

Leerstehende Immobilie: Fünf Wege, einen Käufer zu finden.

Das ererbte Haus in einer Kleinstadt, das seit fünf Jahren leersteht. Das Elternhaus im Dorf, das keiner der Erben bewohnen kann und das dringend saniert werden müsste. Das Gewerbeobjekt, das die letzte Nutzung vor einem Jahrzehnt verlassen hat. Solche Immobilien sind nicht unverkäuflich - aber sie verlangen einen anderen Weg als das klassische Maklerinserat. Dieser Ratgeber zeigt fünf realistische Optionen und erklärt, wann welche passt.

Ausgangslage

Warum leerstehende Objekte anders behandelt werden müssen.

Ein Haus, das jemand bewohnt, verkauft sich fast von selbst: es ist gepflegt, möbliert, hat Wärme und Licht wenn Interessenten es besichtigen. Ein leerstehendes Objekt erzählt eine andere Geschichte. Feuchtigkeitsschäden zeigen sich unverdeckt. Der Zustand des Heizsystems ist unklar. Makler kennen ihr Kundenpublikum gut genug, um zu wissen: wer auf ImmoScout sucht, sucht meistens ein fertiges Zuhause, kein Projekt.

Das macht Leerstände für den klassischen Maklervertrieb schwierig - aber nicht unmöglich. Es gibt Käufer für diese Objekte. Renovatoren. Investoren. Selbstnutzer mit handwerklichem Geschick. Projektentwickler für grössere Liegenschaften. Das Problem ist nicht die Nachfrage - es ist, diese spezifische Zielgruppe zu erreichen.

Die fünf Optionen

Fünf Wege - ehrlich verglichen.

Option 01

Klassischer Makler-Verkauf

Wann das funktioniert: Wenn das Objekt in einem bewohnbaren oder zumindest sauber darstellbaren Zustand ist, in einer stadtnahen Lage liegt und zur gängigen Zielgruppe der Inserat-Portale passt - also Eigenheimkäufer oder kleinere Investoren.

Was dabei einzukalkulieren ist: Ein guter Makler kostet üblicherweise 3,57 % des Kaufpreises (je nach Bundesland geteilt oder nicht). Er braucht ein vermarktbares Objekt. Viele Makler nehmen schwierige Leerstände nicht ins Programm - nicht weil sie nicht wollen, sondern weil ihre Kundendatenbank dafür keine Resonanz liefert. Wenn Ihr Objekt drei Monate im Inserat stand ohne Besichtigung, ist das ein Signal.

Zeitrahmen: 3 bis 18 Monate, je nach Objekt, Lage und Markt. Bei schwierigen Objekten eher am oberen Ende.

Option 02

Direktansprache von Investoren

Was das ist: Sie oder ein beauftragter Dienstleister kontaktieren direkt lokale Bauträger, Sanierer oder Immobiliengesellschaften und machen ein Angebot ohne Maklerbrovisioning.

Was dabei gut ist: Kein Makler, kein Inserat. Wenn Sie den richtigen Käufer kennen oder gut vernetzt sind, kann das sehr schnell gehen.

Was dabei schlecht ist: Ohne Wettbewerb kein Marktpreis. Wer direkt an einen professionellen Investor verkauft, verhandelt gegen jemanden, der täglich Immobilien bewertet und genau weiß, wie weit er Sie drücken kann. Ohne Gegendruck entsteht kein fairer Preis. Dieses Verfahren wird im Volksmund manchmal als "Wolf-Kaufpreis" bezeichnet: man wird gerettet - aber man gibt dabei viel ab.

Zeitrahmen: Sehr schnell möglich - sofern der Preis stimmt (was für den Käufer bedeutet: er ist tief).

Option 03

Bieterverfahren

Was das ist: Mehrere Kaufinteressenten werden gleichzeitig eingeladen, schriftliche Angebote abzugeben. Der Höchstbietende erhält den Zuschlag. Das ist kein reguliertes Auktionsverfahren - sondern eine Form der Verhandlung.

Was dabei gut ist: Mehr Wettbewerb als bei der Einzelverhandlung. Flexibel und ohne formalen Rahmen.

Was dabei fehlt: Das Bieterverfahren ist nicht reguliert. Es gibt keine Pflicht, den Zuschlag an den Höchstbietenden zu erteilen. Es gibt keine öffentliche Transparenz. Für Erbengemeinschaften mit mehreren Beteiligten fehlt die rechtliche Belastbarkeit eines dokumentierten Zuschlagsprotokolls. Und die Reichweite hängt davon ab, wen der Vermittler persönlich kennt.

Zeitrahmen: 4 bis 12 Wochen.

Option 04 · Empfohlen

Freiwillige Immobilienauktion

Was das ist: Das Objekt wird öffentlich im Auktionskatalog ausgeschrieben, ein Mindestpreis (Limit) festgelegt, und am Auktionstag unter Aufsicht eines öffentlich bestellten und vereidigten Auktionators zum Höchstgebot zugeschlagen. Das Verfahren ist durch §34b GewO reguliert und gerichtlich belastbar.

Warum das bei schwierigen Objekten besonders gut funktioniert: Das Bieter-Publikum einer spezialisierten Auktion ist ein anderes als das eines Inserat-Portals. Sanierer, Investoren, Denkmalschutz-Käufer, Kleinbauträger - sie alle sind registrierte Bieter, weil sie genau nach solchen Objekten suchen. Sie kommen nicht zufällig durch ein Suchportal, sondern durch den Katalog, der an 55.000 Adressen geht.

Was kein Makler leisten kann: Diese Reichweite in einer spezialisierten Zielgruppe. Kein einzelner Makler hat 200.000 registrierte Bieter, von denen ein nennenswerter Teil aktiv nach Problemimmobilien sucht.

Zeitrahmen: 6 bis 8 Wochen von Einlieferung bis Zuschlag.

Option 05

Verkauf an Projektentwickler / Abriss + Grundstück verkaufen

Wann das sinnvoll ist: Wenn das Gebäude so sanierungsbedürftig ist, dass ein Abriss wirtschaftlich der einzige Weg ist, und das Grundstück in einer Lage liegt, die Neubau erlaubt. In diesem Fall ist das Gebäude kein Werttreiber mehr - das Grundstück ist es.

Was dabei einzukalkulieren ist: Abrisskosten liegen je nach Grösse bei 30.000 bis 150.000 Euro oder mehr. Wenn Sie das Grundstück mit Abrissverpflichtung übergeben, zieht der Käufer diese Kosten vom Angebot ab. Wenn Sie selbst abreissen und nur das Grundstück verkaufen, müssen Sie diese Kosten vorstrecken - dann gehört Ihnen ein vermarktbares Baugrundstück. Grundstücke sind die häufigste Auktionskategorie der DGA: rund 60 % aller Lose sind Grundstücke oder Bauland.

Zeitrahmen: Variabel. Abriss selbst dauert je nach Grösse 4 bis 16 Wochen. Verkauf danach dann wie Option 1 oder 4.

Leerstände brauchen keine Schönheitskur. Sie brauchen das richtige Publikum.

Warum Auktion hier besser ist

Was ein Auktionshaus kann, was ein Makler nicht kann.

Spezialbieter-Publikum
Im DGA-Katalog sind registrierte Bieter, die aktiv nach Leerstands-Objekten, Sanierungsprojekten und Grundstücken suchen. Sie suchen nicht auf ImmoScout - sie suchen im Katalog. Diese Reichweite haben Makler strukturell nicht.
Kein Makler-Motivationsverlust
Wenn ein Makler merkt, dass ein Objekt schwer zu vermarkten ist, sinkt seine Motivation - verständlicherweise. Die DGA nimmt schwierige Objekte bewusst an, weil sie ihr Bieter-Netzwerk kennt. Es gibt keine Stufe 'wir zeigen es weiterhin im Inserat, aber ohne aktiven Einsatz'.
Transparente Preisbildung
Ein Bieterwettbewerb macht sichtbar, was das Objekt wirklich wert ist. Nicht was ein Gutachter schätzt, nicht was ein Investor bieten will. Was der Markt zahlt. Das ist auch für Erbgemeinschaften mit mehreren Beteiligten eine wichtige Funktion: niemand kann das Ergebnis anfechten.
Kein Verkaufsdruck unter Limit
Das Auktionslimit ist Ihr Mindestpreis. Liegt das Höchstgebot darunter, findet kein Verkauf statt. Das Objekt bleibt in Ihrem Eigentum. Sie können es in einer späteren Auktionsrunde erneut einliefern oder einen anderen Weg wählen. Kein finanzielles Risiko, wenn kein Ergebnis.

Typisches Fallbeispiel

Fall S-TANG-01

Leerstand - Kleinstadtlage

Wohnhaus Tangermünde.

Kleinstadtlage Sachsen-Anhalt.

Kein Makler sah Chancen.

Ausgangslage
Auktionslimit: 12.000 Euro. Lange leerstehendes Wohngebäude in einer Kleinstadt. Kein Makler hatte das Objekt angenommen. Einlieferung als schwieriges Objekt.
Verfahren
Öffentliche Auktion Dezember 2025. Wettbewerb durch spezifisch für diesen Objekttyp interessierte Bieter.

Zuschlag

58.000 €

+383 % über Limit

Verfahrensdauer

7 Wochen

Typisches Fallbeispiel. Details anonymisiert. Zuschlagspreise aus öffentlichen Ergebnislisten.

Vor der Einlieferung

Was Sie vorbereiten sollten.

  1. Schritt 01

    Unterlagen zusammenstellen

    Grundbuchauszug (nicht älter als 3 Monate), Flurkarte, Baujahr und Baupläne soweit vorhanden, letzte Energieausweis oder Hinweis auf dessen Fehlen, bekannte Mängel. Je vollständiger die Unterlagen, desto sicherer das Bieterpublikum - und desto höher der Zuschlag.

  2. Schritt 02

    Kostenlose Bewertungsanfrage stellen

    Die DGA gibt eine unverbindliche Einschätzung des realistischen Limits. Das hilft Ihnen, Erwartungen zu kalibrieren. Für Erbengemeinschaften ist das oft der erste gemeinsame Referenzpunkt in der Diskussion über den Minimalpreis.

  3. Schritt 03

    Realistisches Limit wählen

    Das Limit schützt Sie - aber ein zu hohes Limit verhindert den Zuschlag. Wenn das Limit über dem liegt, was Bieter bereit sind zu zahlen, bleibt das Objekt ohne Ergebnis in Ihrem Eigentum. Ihr Auktionator empfiehlt ein Limit auf Basis seiner Markterfahrung. Die Entscheidung treffen Sie.

  4. Schritt 04

    Zustand transparent dokumentieren

    Keine Schönheitskur nötig - aber ehrliche Dokumentation. Feuchtigkeitsschäden fotografieren, nicht verstecken. Bieter beim DGA-Verfahren besichtigen die Objekte vor der Auktion. Wer weiß, was er kauft, bietet sicherer und oft höher.

Häufige Fragen

Was Eigentümer leerstehender Objekte meistens fragen.

Muss ich die Immobilie vorher sanieren?
Nein. Die DGA versteigert Objekte in jedem Zustand - das ist explizit ein Teil des Konzepts. Viele Bieter suchen gezielt nach Sanierungsprojekten, weil sie das Potenzial einschätzen können. Eine Vorsanierung lohnt sich in aller Regel nicht, da der Erlöszuwachs selten die Sanierungskosten deckt.
Was wenn kein Wasser oder Strom mehr angeschlossen ist?
Das ist für die Einlieferung kein Hindernis. Im Exposé und beim Besichtigungstermin vor der Auktion wird der Zustand vollständig dokumentiert. Bieter kaufen mit Kenntnis des Zustands - das ist die Regel, nicht die Ausnahme. Ein fehlender Anschluss ist ein Faktum, das den Preis beeinflusst, aber keinen Verkauf verhindert.
Ländliche Lage - lohnt das überhaupt?
Das ist die häufigste Skepsis - und die häufigste Überraschung. Das Beispiel Tangermünde zeigt: 12.000 Euro Limit, 58.000 Euro Zuschlag. Ländliche Objekte haben ein anderes Bieterpublikum als städtische, aber sie haben eines. Sanierer, die in der Region aufgewachsen sind. Pendler, die günstig Eigentum suchen. Kleinanleger. Die Frage ist nicht ob, sondern zu welchem Preis.
Kann ich auch nur ein Grundstück einliefern, wenn das Gebäude abgerissen werden soll?
Ja. Grundstücke sind die grösste Kategorie der DGA-Auktionen - rund 60 % aller Lose. Wenn das Gebäude ohne wirtschaftlichen Restwert ist und das Grundstück separat wertvoller ist, empfiehlt Ihr Auktionator möglicherweise genau diesen Weg. Das besprechen Sie in der Bewertungsanfrage.
Was wenn das Objekt unter Denkmalschutz steht?
Denkmalschutz schränkt ein, schreckt aber die richtigen Käufer nicht ab. Investoren, die Denkmalobjekte kaufen, kennen die Auflagen und kalkulieren damit - inklusive der Steuervorteile (AfA nach §7i EStG). Im DGA-Katalog sind gezielt Bieter registriert, die nach Denkmalobkjekten suchen. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu denkmalgeschützten Immobilien.
Wie läuft die Besichtigung bei einem leerstehenden Objekt?
Der Auktionator organisiert einen oder mehrere Besichtigungstermine vor dem Auktionstag. Diese sind für alle registrierten Bieter zugänglich. Kein einzelner Interessent hat Vorrang. Das schützt Sie vor Verhandlungsdruck durch frühzeitige Einzelgespräche.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Orientierung. Er ersetzt keine anwaltliche Beratung, keine steuerliche Beratung und kein rechtsgültiges Sachverständigengutachten.

Alle Kostenangaben sind Richtwerte. Steuerliche Fragen - insbesondere zur Spekulationssteuer und zur Denkmal-AfA - sind von Ihrer individuellen Situation abhängig und müssen mit einem Steuerberater geklärt werden.

Die Deutsche Grundstücksauktionen AG ist gewerblicher Versteigerer gemäss §34b GewO und übt keine Rechts- oder Steuerberatung aus.

Ihr nächster Schritt

Egal wie schwierig - lassen Sie uns schauen.

Die Bewertungsanfrage ist kostenlos und unverbindlich. Sie erfahren, ob Ihr Objekt für eine Auktion geeignet ist, welches Limit realistisch ist und wann der nächste Auktionstermin in Ihrer Region stattfindet.